Sehenswertes in der Neuwerkkirche

Das Triumphkreuz

Wenn man als Besucher die Neuwerkkirche durch den Besichtigungs- oder Haupteingang betritt und das Mittelschiff in Richtung Osten zum Altar hinuntersieht, fällt einem das große Triumphkreuz vor der Vierung ins Auge. Dieses ca. 3,20m hohe Kreuz aus Lindenholz mit dem eindrucksvoll gearbeiteten Korpus Christi stammt von einem unbekannten Künstler aus dem 1. Drittel des 16. Jahrhunderts.
Das überlebensgroße Kreuz besteht aus einem schlichten Bohlenkreuz, an dem der gut gestaltete, allerdings mit dem weit vorgewölbten Brustkorb ganz für eine Betrachtung von unten gearbeitete, Korpus befestigt ist. Er besitzt natürliches Haar und eine natürliche Dornenkrone. Stilistisch entspricht das Triumphkreuz annähernd der Kreuzgruppe des ehemaligen Goslarer Kaiserdoms. Bei Innenarbeiten in der Neuwerkkirche 1876 wurde es von seinem eigentlichen Platz im Gurtbogen zwischen dem Chor und dem Langhaus entfernt und unter der Orgelempore aufgestellt. 1932 behandelte es der Restaurator Buhmann mit Gas gegen Holzwurmfraß, da das Kreuz als ein passendes Holzbildwerk zusammen mit den Objekten aus der Domvorhalle in den neu einzurichtenden Domraum ins Museum geholt werden sollte. 1952 musste eine erneute Holzwurmabtötung, diesmal mittels eines Tauchbades erfolgen, da der Befall inzwischen wieder stark zugenommen hatte. Diese Arbeiten wurden vom Restaurator Herzig durchgeführt, der bei dieser Gelegenheit auch einige verloren gegangene Finger und Zehen am Korpus ersetzte.
Triumphkreuz aus dem 16.Jahrhundert

Ferner konnte in diesem Zusammenhang die barocke Übermalung der Figur entfernt und die ursprüngliche mittelalterliche Farbfassung wieder hergestellt werden. Lediglich beim Lendenschurz ließ sich die alte Farbfassung nicht mehr rekonstruieren,
da er vor seiner Vergoldung in der Barockzeit gründlich gereinigt worden war. Daher ist der Lendenschurz damals in weiß gefasst worden. Dem damaligen Künstler haben wir es heute auch zu verdanken, dass der Korpus Christi so dezent eindrucksvoll wirkt und lediglich die blutenden Wunden und die grüne Dornenkrone als einzige Farbeffekte ins Auge fallen. Auch der Kopf mit dem qualvoll geöffneten Mund und den verzerrten Augen ist damals mit wenigen sparsamen Mitteln so restauriert worden, dass der Gesichtsausdruck noch heute beinahe unheimlich realistisch wirkt. Später ist das Triumphkreuz wieder an seinem angestammten Platz in der Neuwerkkirche aufgehängt worden.

In einem Bohrloch, das am Kopf des Korpus zu sehen ist, sollen sich Reliquienpartikel des „St. Nikolaus“ und „St. Stephanus“ befunden haben. Diese sind leider bereits 1932 entfernt worden.

Quellen:In Auszügen aus H.-G. Griep, Neuwerk, 1186 – 1986, Goslar 1986 und Kirchenheftchen Neuwerk, Herausg. Pfarramt Neuwerk , 1984

Ein Beitrag von Ute und Stefan Roblick